Spielverhalten – Körpersprache beobachten lernen Teil 1

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Schönes Spiel zwischen Hunden muss vom Menschen nicht unterbrochen werden, denn Hunde sollten spielen, wenn sie es möchten. Es macht den Hunden Spaß und für viele Hunde erheitert es den Alltag. Aber ein komplett harmonisches Spiel zwischen zwei oder mehr Hunden erlebe ich selten. Daher ist es wichtig, den Hunden Hilfestellungen an die Hand zu geben.

Um überhaupt Hilfestellung geben zu können, muss der Mensch sich im Beobachten von der hundlichen Körpersprache schulen. Nicht nur gucken, sondern hinschauen. Videoaufnahmen sind genial zum Üben, denn ihr könnt sie so oft ihr wollt abspielen und sie euch auch in Zeitlupe anschauen. Das geht im normalen Alltag nicht. Da müsst ihr schnell eine Entscheidung treffen und müsst darauf vertrauen, dass euer Unterbewusstsein mehr wahrgenommen habt als ihr denkt.

Nun denn, schauen wir Video. Wer mag, kann diesen Beitrag gerne damit kommentieren, was euch auffällt und was ihr Interessantes seht. Geht auch bei Facebook oder per E-Mail.

Video 1:

Im Video seht ihr Buddy, 8 Monate alter unkastrierter Mischling (braun) und Luna, 8 Monate alte unkastrierte Labrador-Mischlingshündin (schwarz)

Ihr seht, dass Buddy durchaus Interesse an der hinteren Körperpartie von Luna hat, sie damit aber kein Problem hat, sie war noch nicht läufig und hat somit mit Rüden noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Hunde spielen zum Teil im Liegen und sind zwischendurch parallel. Da Buddy Luna nicht stark bedrängt und sie keine Stressanzeichen zeigt, muss man das Spiel nicht sofort unterbrechen. Die kurze Spielpause (0:10) lobe ich, das Spielende markere ich. Das Futter werfe ich so, dass die Hunde sich etwas entfernen voneinander.

Hier seht ihr Pepe (klein und braun) und Zuki (schwarze Hündin, Labrador-Bulldoggen-Mix), beide Hunde sind kastriert. Zuki spielt sehr körperbetont, sie springt seitlich bzw. von oben gerne in die Nackenregion von den Hunden. Damit kommen die Hunde nicht unbedingt gut klar. Auf diesem Video sieht man sehr gut Stressanzeichen: Niesen (0:06) und Schütteln. Die Hunde passen von Größe und Gewicht nicht optimal zusammen. Im Verlauf des Videos wechseln die Hunde zwischen parallel und frontal, Pepe zeigt immer wieder Stressanzeichen (Schmerzen?) und züngelt (0:22) als Zuki starr steht und ihre Schnauze in seinen Nacken hält.

Ich unterbreche das Spiel mit dem Markersignal und streue den Hunden Futter.

Dieses Spiel sollte man nicht ohne Unterstützung des Menschen laufen lassen. Es kann eskalieren, wenn Pepe sich wehrt und Zuki auf seine Aggression ebenfalls mit Aggression reagiert. Auch, wenn das nicht passieren muss, wäre die Erfahrung für beide Hunde nicht gut.

Zwei junge Rüden: Moppi, der Mops und Jacky, ein kleiner Jack Russel. Beide Hunde befinden sich in der Adoleszenz (= Erwachsen werden, die Entwicklung vom jungen zum erwachsenen Hund), ich weiß leider nicht mehr, wie alt die Hunde zu diesem Zeitpunkt waren.

Hier ist zu sehen, dass Moppi Sexualverhalten zeigt und versucht aufzureiten. Jacky zeigt leichte Angstanzeichen (Schwanz beachten) und wälzt sich (Entspannungsverhalten?), geht aber schon auf Moppi spielerisch ein. Das Schütteln (0:16) deutet darauf hin, dass es etwas stressig für Jacky ist.

Das vorletzte Video. Diesmal ganz andere Hundetypen: Drei Labradore. Links: Schwarzer Rüde, in der Mitte eine blonde, junge Hündin (war noch nicht läufig) und außen eine schwarze Hündin. Alle drei Hunde haben ein Spielzeug. Der Rüde hat den Ball, die Mädels die Schnur. Sie rennen damit herum und zerren daran.

So ein Spiel kann man laufen lassen. Erregung erkennt man daran, wenn ein Hund mehr und lauter knurrt (0:06 und 0:16ff), dann ist es immer besser das Spiel zu unterbrechen, da es möglich ist, dass das Spiel in Aggressionsverhalten umschlägt (muss nicht zwingend sein). Unterbrechen kann man bei Hunden, die keine Futterressourcenverteidigung zeigen mit geworfenen Leckerlies. Dabei sollte man die Hunde nicht so bewerfen, dass sie sich erschrecken, denn sonst wirkt das Futter als Schreckreiz und das wollen wir nicht. Sind die Hunde es nicht gewohnt, lieber tief und seitlich werfen. Wenn die Hunde es können: Geschirrgriff- und / oder Entspannungssignal.

Die fliegenden Leckerlies seht ihr ab 0:35.

Ein anderes Zeichen für gutes Spiel an Ressourcen: Die Hunde sind parallel oder ein Hund zeigt self-handicapping. Das bedeutet, dass ein Hund nicht seine volle Kraft nutzt und z.B. im Liegen zergelt, dabei ist diese Position sehr ungünstig für ihn. Auch die Vorderkörpertiefstellung (Play Bow) ist ein deutliches Zeichen für Spielen (0:12). Das kann dann natürlich gerne gemarkert und verbal gelobt werden (die Hunde müssen also nicht ihr Spiel unterbrechen).

Bei Hunden mit bekannter Ressourcenproblematik sollte das Spiel zwischendurch immer wieder getrennt werden. Die Hunde sollen gute Erfahrungen machen und wenn Spiel eskaliert, dann ist es nie eine gute Erfahrung – für keinen der involvierten Hunde. Kein Hund sollte beim „Spielen“ Angst haben müssen (hat ein Hund Angst, dann ist es kein Spiel, es müssen sich alle beteiligten Hunde wohl fühlen!) und daher lieber 20 Mal unterbrechen als nur 1 Mal und dafür fühlt sich jeder Hund wohl und das Erregungsniveau steigt nicht bis ins Unermessliche …

Und das auch bei Hunden, die sich gut kennen. Auch bei Hunden, die zusammen leben. Sprecht die Hunde zwischendurch an, so könnt ihr prüfen, ob sie noch im Stande sind auf den Menschen zu reagieren. Wenn die Hunde nicht reagieren, dann lieber Futter streuen (bei Ressourcenverteidigern Abstand schaffen und an zwei Stellen das Futter streuen, dafür kann man einfach einen Hund ansprechen und dann das Futter dorthin werfen, wo der Hund hingehen soll) oder das Entspannungssignal geben.

Sind die Hunde ansprechbar? Dann kann man die Hunde z.B. kurz Sitz oder Platz machen lassen. Wenn es die Hunde können, dann würde sich auch der Kinn Touch (Kinn auf die Flache Hand) anbieten, denn diese Übung wirkt durch die Streckung der Halswirbelsäule entspannend.

Das letzte Video:

Warum eskaliert das Spiel? Und woran seht und hört ihr, dass es eskaliert? Toll von den Hunden: Eingreifen des Menschen nicht notwendig, sie können es selbst regeln!

Dieses Video zeigt eine „Shit happen“ Situation. Beide Hunde belohnen und eine kurze Spaßeinheit machen, damit sich beide Hunde von ihrem Schrecken erholen können.

Ein Gedanke zu „Spielverhalten – Körpersprache beobachten lernen Teil 1

  1. Für mich ist das Verstehen der Körpersprache schwer und ich bin für jede Information, für jede Anleitung dankbar ….. danke, Anne 🙂

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