Spielende Hunde – immer gut beobachten! Teil 2

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Zu der normalen Besetzung kam heute noch die schwarze Labbi-Mix-Hündin Luna, unser Tagesgast, dazu. Die Maus ist ca. 8 Monate alt und ein totaler Wirbelwind. Zuki fand sie ganz toll und so hatte ich die Gelegenheit ein paar Videos zu drehen. Eigentlich wollte ich ganz nette „Zuki und Luna“ spielen Videos drehen … aber: Das Leben kommt immer anders als man denkt! Ich musste viel unterbrechen, viel unterstützen und aus Spiel wurde mehrmals Mobbing als Nemo mitgemischt hat.


Spielunterbrechung von Luna und Zuki

In solchen Situationen ist Ruhe und ein guter und schneller Blick auf die Körpersprache der Hunde Gold wert. Es ist nicht wichtig ALLES zu sehen bei den Hunden. Es ist wichtiger, die Stimmung und die Emotionen der Hunde schnell zu erfassen und eine Entscheidung zu treffen:

„Lasse ich die Hunde weiter spielen oder unterbreche ich das Spiel der Hunde kurz?“

Ein Spiel sollte sofort (wenn sofort möglich ist) unterbrochen werden, wenn sich ein Hund nicht mehr wohlfühlt und deutliche Angstanzeichen und / oder Erregungsanzeichen und / oder Aggressionsanzeichen zeigt. Häufig kommen folgende, körpersprachliche Signale in einem Spiel vor, dass ich dann unterbrechen würde:

  • Aufstellen der Nackenhaare über den ganzen Rücken oder nur am Schwanzansatz oder Nacken

Das Aufstellen der Nackenhaare, umgangssprachlich „Bürste“ genannt, ist eine reflexive Reaktion. Der Hund kann dies nicht willentlich steuern. Es ist ein Anzeichen dafür, dass das Erregungslevel angestiegen ist bzw. gerade ansteigt. Das Aufstellen der Nackenhaare kann weder verstärkt noch bestraft werden.

  • Hunde sind viel frontal, springen sich frontal an

Wenn Hunde sich frontal anspringen, dann ist das Spiel am Kippen zum Aggressionsverhalten. Die Stimmung der Hunde hat sich verändert und der Mensch sollte den Hunden eine kurze Auszeit geben:

  • Leckerlies suchen im Gras – beide Hunde etwas von einander getrennt
  • Kurze Ansprache mit Namen, danach bietet sich das 10-Leckerchen-Spiel an
  • Entspannungssignal geben, wenn beide Hunde dieses kennen
  • Spiel wird grob, ein Hund wird im Spiel umgerannt

Oft wird die Geräuschkulisse lauter, das Spiel unter den Hunden wird hektischer. Wird ein Hund umgerannt, ist dies ein deutliches Zeichen für ein zu hohes Erregungslevel des umrennenden Hundes. Er kann sich nicht mehr kontrollieren und das Spiel sollte kurzzeitig, über freundliche Methoden, unterbrochen werden.

  • Rollen werden nicht getauscht, ein Hund agiert und der andere Hund reagiert ohne Tausch der Rollen

Dies deutet darauf hin, dass ein Hund spielt, der zweite Hund (der „Hase“) sich nicht wohl fühlt und eigentlich Fluchtverhalten zeigt. Dies sollte unterbrochen werden (freundlich), denn beide Hunde sollen sich in Spielsituationen wohlfühlen.

  • fließendes Spiel ohne kurze Spielpausen (z.B. kurzes Innehalten mit / ohne Play Bow)

Hier in diesem Video sieht man ein Spiel zwischen zwei Junghunden. Beim Dackel erkennt man, am meisten am Anfang der Videosequenz, Anzeichen von Unwohlsein. Ein Spiel freundlich zu unterstützen und den Hunden immer wieder zu sagen, wie toll sie es machen, ist nie verkehrt. Wenn du dich jetzt fragst: Warum gebe ich so häufig mein Markersignal? Warum rufe ich die Hunde nicht einfach auseinander? Weil ich möchte, dass die Hunde in dieser Situation lernen. Durch das Markersignal erzeuge ich eine gute Stimmung, gleichzeitig versuche ich zusätzlich richtiges Verhalten zu verstärken. Diese Methode wirkt auf den ersten Blick erst einmal als „zulabern“, dabei gebe ich den Hunden lediglich die Chance ihr Verhalten zu regulieren und halte mich von meinen Aktionen so weit es geht im Hintergrund.

Dieses Video von den zwei jungen Hunden ist im späteren Verlauf des Spaziergangs entstanden. Es zeigt sehr schön, wie sich schon eine kleine Vertrauensbasis zwischen den Hunden entwickelt hat und was man in kürzester Zeit mit ein wenig Training erreichen kann.

  • Wildes Abschnappen, meist hört man die Zähne aufeinander schlagen

Kennt ihr das? Man hört die Zähne der Hunde mehrfach aufeinander schlagen! Unbedingt sofort unterbrechen. Der Hund ist überfordert in der Situation und dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es kein Spiel (mehr) ist.

  • Hunde reagieren nicht mehr auf Ansprache / Marker / Lob

Dies deutet auf ein hohes Erregungslevel hin, der Hund kann sein erlerntes Wissen nicht mehr abrufen. Erregungslevel senken und Spiel kurzfristig unterbrechen.

  • Ein Hund wird von zwei oder mehr Hunden eingekesselt 

Das ist dann natürlich kein Spiel mehr, sondern Mobbing und sollte sofort unterbrochen werden. Neigt ein Hund zum Mobben, dann sollte dieser Hund eine kurze Schleppleine tragen und es sollte das Stoppen / Sitzen auf Signal mit diesem Hund geübt werden.

  • Ein schlechtes Bauchgefühl des Menschen (!!!)

Denn oft sehen wir mehr als wir denken und unser Unterbewusstsein wertet es aus bevor wir uns darüber wirklich im Klaren sind.

Mein Motto: Lieber einmal zu viel unterbrochen als einmal zu wenig.

Ich unterbreche Verhalten nicht mit Schreckreizen.

Bei mir wird Verhalten mit den Hilfsmitteln der positiven Verstärkung unterbrochen. Spiel lässt sich am Besten unterbrechen mit:

  • dem Markersignal: Clicker oder Markerwort, dieses Werkzeug ist einfach genial
  • einem Umorientierungssignal: die meisten Hunde reagieren auf ihren Namen oder Locklaute
  • Futter, welches geworfen wird: Das Futter wird zwischen / auf die spielenden Hunde geworfen, sobald die Hunde es riechen, hören sie meist auf zu spielen und können mit Ansprache gelenkt werden
  • Entspannungssignal (wenn es die Hunde kennen)

Natürlich kann man auch einen einzelnen Hund greifen, mit dem Geschirrgriff-Signal (siehe Artikel zum Geschirrgriff) stoppen und andere Signale aufbauen, wie ein Sitzen auf Distanz. Diese Werkzeuge müssen aber kleinschrittig trainiert werden und es dauert mehrere Wochen bis Monate bis diese Werkzeuge eingesetzt werden können in Spielsituationen. Für jeden Hundebesitzer empfiehlt sich der Aufbau dieser Werkzeuge.

Zusätzlich sollte jeder Hundebesitzer mit seinem Hund ein Entspannungswort konditionieren (mit Hundetrainer-Anleitung), denn auch damit lässt sich Spiel sehr gut unterbrechen.


All diese Werkzeuge bringen die meisten Hunde aber in der Hundebetreuung nicht mit. Die wenigsten Hunde, die zu mir kommen, kennen das Markersignal. Aber sie lernen es bei mir, denn dieses Element ist für mich zum Alltag geworden. Zusätzlich benutze ich die Signale, die die meisten Hunde von Haus aus mitbringen und meistens gut beherrschen.

Zwischendurch konnten Luna und Zuki schön spielen, die meiste Zeit brauchten die beiden Hündinnen Unterstützung. Die anderen Hunde lernen in dieser Zeit ebenfalls eine wichtige Lektion: Während zwei Hunde spielen, können sie sich bei mir für ruhiges Verhalten ein Leckerlie verdienen. So können zwei Hunde in Ruhe spielen ohne, dass sich andere Hunde einmischen, denn die Hunde lernen: Es spielen Hunde -> zu mir kommen und Leckerlie abholen und sitzen.

Beim zweiten Gassi haben wir heute Buddy kennengelernt. Er ist ein hübscher Mischlingsrüde, gerade mal 8 Monate alt. Er fand Luna ganz toll und alle anderen Hunde auch. Habe ich schon einmal gesagt, dass meine Hunde einfach ganz toll sind 🙂 Luna und Buddy fanden sich toll, das macht wohl auch das Alter. Die anderen Hunde sind deutlich älter und nicht mehr so spielwütig wie Luna. Bei Zuki war dann am Nachmittagsgassi auch schon die Puste raus.

Fazit: Spielende Hunde sollten gut beobachtet werden. Es ist keine gute Idee, wenn die Menschen quasselnd daneben stehen und keinen Blick für die Hunde haben. Die kleinen Anzeichen für den Anstieg des Erregungsniveaus und das Kippen von einem freundlichen Spiel zu Aggressionsverhalten passiert nicht ohne Warnzeichen. Nur diese Warnzeichen müssen wir Menschen erkennen um unseren Hunden helfen zu können.

Hunde sollten viel Kontakt haben zu unterschiedlichen Hunden. Sie sollten Möglichkeiten haben um Spielen zu üben. Es gibt durchaus Hunde, die einfach zu wenig Erfahrung haben um schön zu spielen.

Beim Spiel entstehen so schnell Missverständnisse. Daher sehe ich mich selbst als Dolmetscher und Vermittler, als Lehrer und Helfer. Ich halte mich so weit möglich im Hintergrund und greife ein, wenn ich Anzeichen von Unbehagen bei einem oder mehreren Hunden sehe.

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