Rennspiele – Spielverhalten beim Hund Teil 3

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In diesem Artikel möchte ich wieder über Spielverhalten schreiben. Diesmal über eine ganz bestimmte Art von Hundespiel: Rennspiele!

Die meisten Hunde bewegen sich deutlich schneller als wir Menschen. Es gibt drei grundlegende Gangarten: Schritt, Trab und Galopp. Ist ein Hund gesund, bewegt er sich in allen drei Gangarten (tut er es nicht, sollte der Bewegungsapparat durchgecheckt werden). Im heutigen Artikel geht es um den Galopp, denn diese Gangart benutzen Hunde bei Rennspielen.

Wer seinen Hund schon dabei beobachtet hat, wie er große Kreise in schneller Geschwindigkeit rennt, der sieht ganz deutlich: Das macht Spaß! Hunde rennen sowohl alleine als auch zu zweit und zu mehreren. Je schneller ein Hund ist, desto mehr Freude hat er am Rennen. Je nach Rasse und Hundetyp gibt es natürlich Unterschiede. Windhunde und Jagdhundtypen bewegen sich meist sehr gerne, in sehr großen Kreisen und sehr schnell. Typen wie z.B. die Englische Bulldogge können durch ihren Körperbau gar nicht so schnell rennen wie ein Deutsch Kurzhaar.

Schwierigkeiten bei Rennspielen:

– durch die hohe Geschwindigkeit besteht eine höhere Verletztungsgefahr für die Hunde (und den Menschen!) als z.B. bei Balgspielen

– durch die hohe Geschwindigkeit steigt das Erregungsniveau sehr schnell -> Aggressionsverhalten wird wahrscheinlicher

– das Rennen kann schnell zum Hetzen oder Mobbing eines einzelnen Hundes übergehen

– Größenunterschiede unbedingt beachten! -> Nie einen Zwergenhund von einem großen Hund jagen lassen, das Risiko von Jagdverhalten ist zu groß

– Eingreifen durch den Menschen schwierig -> Die Hunde sind einfach zu weit weg!

– Schleppleinen können zu Verletzungen führen -> wenn die Schleppleine notwendig ist, dann okay. Wenn nicht, dann bitte abmachen!

„Hasenhund“ = der Hund, der gejagt wird, sozusagen der Hase

„Jäger / Jägerhund“ = der Hund, der jagt, der Jäger

Je mehr Hunde bei einem Rennspiel involviert sind, umso genauer sollte der Mensch hinschauen

Die Hunde rennen oft sehr schnell und dabei steigt das Erregungsniveau der beteiligten Hunde steil an. Es ist möglich, dass die Hunde nicht mehr ansprechbar sind und nicht auf Stopsignale oder den Rückruf reagieren. Dadurch kann sehr schnell ein einzelner Hund gejagt werden (keine Spielabsicht mehr zu erkennen), die Körpersprache des „Hasenhundes“ wird schnell übergangen und es ist kein Spiel mehr, sondern Mobbing. Das ist nicht angenehm für das Opfer und sollte unterbrochen werden. Das ist aber schwierig, wenn die Hunde sehr weit weg sind und der Mensch nur wenig machen kann. Aber natürlich kann man in jeder Situation trainieren:

Geschirrgriff: Das Signal für den Geschirrgriff ist ein Signal, welches den Hund in der Vorwärtsbewegung hemmt bzw. stoppt. Das Geschirrgriff-Signal bitte immer nur mit einem Hundetrainer aufbauen. Wenn ihr euch unsicher seid beim Aufbau bzw. bei der Anwendung vom Geschirrgriff, wendet euch bitte an einen guten Hundetrainer. Denkt bei der Anwendung daran: Der Geschirrgriff stoppt oder verringert Bewegung nach vorne, Alternativverhalten danach nicht vergessen (z.B. Stop -> Sitz).

Sitz-Pfiff: Der Hund soll sich auf einen Pfiff oder auf ein Wortsignal möglichst schnell hinsetzen, egal, wo er gerade ist. Der Hund lernt im ersten Schritt Sitz auf Entfernung, dabei soll der Hund sich dort hinsetzen, wo er gerade ist. Dieses Verhalten wird im zweiten Schritt mit einem Pfiff verknüpft. Wenn der Hund das Sitzen mit dem Menschen erlernt hat, gibt es noch einen alternativen Aufbau. Bitte wendet euch auch zum Aufbau des Sitz-Pfiffs an einen Hundetrainer. Solltet ihr in der verlinkten Liste (auf Hundetrainer klicken) keinen positiv arbeitenden Hundetrainer finden, dann könnt ihr mir gerne eine Nachricht schreiben.

Der sichere Hafen: Der Hund, der gejagt wird, soll lernen, dass er zum Menschen rennen kann und dort Hilfe bekommt. Natürlich wäre es super, wenn alle „Jägerhunde“ abrufbar oder stoppbar sind, aber das funktioniert erfahrungsgemäß nicht immer. Daher ist es praktisch, wenn der „Hasenhund“ lernt: Wenn es dir zu viel ist, dann kannst du zum Menschen rennen und bekommst Hilfe! Bitte niemals einen Hund, der einen anderen Hund beim Menschen abliefert oder der Schutz sucht beim Menschen einfach wieder wegschicken, sondern diesem Hund dann die Hilfe anbieten und helfend eingreifen.

Reinmarkern: Beim Reinmarkern wird das Markersignal (Clicker / Markerwort) als Abbruchsignal verwendet, es soll kein Verhalten verstärkt werden. Damit das Reinmarkern funktioniert, muss das Markersignal sehr gut aufgebaut und auch schon seit längerer Zeit angewendet werden. Zusätzlich sollte das Markersignal mit verschiedenen Belohnungen verknüpft sein. Reagieren die Hunde auf das Markersignal, dann mit etwas Beweglichem belohnen: Zerrspiel, Ball werfen / suchen lassen, Mäuschenspiel (Lauerübung), geworfene / gerollte Leckerlies etc.

Markieren vom Stehenbleiben: Genaues Verhalten markieren. Stehen bleiben (auch nur sehr kurz) markieren und stimmlich loben. Es kann auch markiert werden, wenn die Hunde mehr Abstand zueinander halten oder ein Hund bzw. die Hunde langsamer rennen. Immer an die Kleinschrittigkeit denken: Kurzes Stoppen ist schwierig für die Hunde, daher einfach überlegen, wie ihr zu diesem Verhalten kommen könnt und alles, was zu diesem Verhalten führt, markieren und verstärken (Shaping).

Leckerlies werfen: Die Leckerlies dienen als Störreiz, viele Hunde nehmen ihre Nase runter und fangen das Suchen an oder der „Hasenhund“ fängt das Suchen an und stoppt somit und die anderen Hunde können nun gestoppt werden. Wenn ihr noch mehr Hunde dabei habt und diese Hunde dem Futter nachgehen, wirken auch sie als Störreiz, unterbrechen kurz den Blickkontakt zum gejagten Hund bzw. blockieren den Weg.

Rausrufen: Klingt einfach, ist es aber gar nicht! Daher immer üben: Umorientierungssignal mit verschiedenen Belohnungen verknüpfen und die Hunde im Spiel immer wieder ansprechen, auch bei Rennspielen. Je mehr die Hunde es gewohnt sind, umso eher reagieren die Hunde auf das Umorientierungssignal. Natürlich könnt ihr zusätzlich auch das Ankersignal (Doppelter Rückruf) anwenden, wenn euer Hund dies beherrscht.

Den Hunden sollten Rennspiele nicht verboten werden, weil sie sich verletzten können. Das wäre genauso als würde man sein Kind nicht auf den Spielplatz lassen, weil das Kind sich verletzten könnte. Allerdings sollte man (also der Mensch) die Rennspiele von den Hunden nicht einfach laufen lassen, da die Hunde oft selbst nicht mehr dazu in der Lage sind, das Spiel ohne Aggressionsverhalten zu beenden. Dies können und sollten die Hunde aber lernen.

Natürlich ist auch bei Rennspielen auf die Körpersprache der Hunde zu achten: Rennen zwei Hunde parallel große Kreise, muss nicht (meist) nicht eingegriffen werden. Je lauter und schneller das Spiel wird, umso eher sollte freundlich eingegriffen werden.

Wenn der „Hasenhund“ abschnappt, sollte ihm dies nicht verboten werden! Das ist oft eine gute Strategie. Es sollten die „Jäger“ abgerufen werden und für jedes deeskalierende Verhalten verstärkt werden mit dem Markersignal. Es kann sich schnell eine Rauferei entwickeln, wenn einer der Hund auf das Abschnappen mit Aggressionsverhalten reagiert. Daher sollte immer jedes Weggehen oder Aussitzen (im übertragenen Sinne) verstärkt werden.

Mein Leitspruch: Lieber einmal zu viel das Spiel der Hunde unterbrochen als einmal zu wenig. Danach können die Hunde gerne weiterspielen.

Diese zwei Videos sind an dem Freitag entstanden, als die Idee mit dem Extra-Artikel zum Thema „Rennspiel“ kam. Das war irgendwie der Tag, den meine Hunde als „Renntag“ auserkoren hatten. Gute Nerven und viele Leckerlies helfen dann 😉

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