Minis in der Hundebetreuung – Kleinsthunde

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Chihuhua Kody begleitet Silke bei ihrer Hundebetreuung

Die liebe Anne hat mich, Silke Frankl von Silke’s Dog Service, als Kleinsthundebesitzerin gebeten einen Blogbeitrag zur Betreuung von kleinen Hunderassen zu verfassen. Ich habe geschlagene 2 Wochen überlegt, was ich am besten dazu schreiben kann, da kleine Hunde für mich keine Ausnahmen sind und genauso behandelt werden wie größere Hunde. Ich habe drei Hunde, darunter einen Chihuahua Rüden mit Namen „Kody“.

Nun erzähle ich euch mal Kodys Geschichte und meine Einstellung zu kleinen Hunderassen in einer bunt gemischten Hundegruppe.

Kurz zur Geschichte, wie wir zu Kody gekommen sind.
Ein Arbeitskollege meines Mannes hat eine ganz nette Chihuahua – Hündin. Mein Mann Dani war begeistert von ihr und lag mir immer damit in den Ohren, dass er auch unbedingt einen Chihuahua haben möchte.
Nach langem hin und her, habe ich mich auf die Suche gemacht und im Internet die Anzeige von Kodys Züchterin gefunden.
Ich hab lange mit ihr telefoniert, sie war mir sehr sympathisch und dann sind wir auch recht spontan 2 Stunden zu ihr gefahren. Ihr kennt das ja – Herz ist lauter als der Verstand.
Die Zuchtstätte, in der Kody aufwuchs war super schön und die anderen Chihuahuas waren sehr lieb. Nach dem Kennenlernen haben wir uns für Kody entschieden und ihn adoptiert. Er war sofort sehr zutraulich zu uns, kam sofort auf den Schoß gesprungen um sich streicheln zu lassen. Es war um uns geschehen und wir konnten nicht anders als Kody mit nach Hause zu nehmen.

Knut ist Kodys großer Bruder und kuschelt sehr gerne mit ihm.

Als wir Kody kennenlernten, waren die Erwartungen an ihn schon sehr hoch. Wir wussten sofort, dass er als HUND behandelt wird und nicht als nettes Handtaschen–Accessoire. Auch stand für mich sofort fest, dass er genauso 4 Beinchen hat, wie jeder andere Hund auch und diese Beinchen wurden ihm zum Laufen gegeben.  Kody sollte also wie alle Hunde behandelt werden, trotz seiner Größe.
Fazit: Ständiges Hochheben und Tragen – No Go!
Und wir wussten auch, dass er mit größeren Hunden verträglich sein muss, da ich in der HuTa mehrere große Hunde, wie z.B. einen Berner-Sennen-Rüde habe.
Und genau diese Ziele haben wir umgesetzt. Wir haben uns Zeit gelassen, ganz viel über positive Verstärkung gearbeitet und ihn Schritt für Schritt an große Hunde herangeführt.

Die drei Hunde von Silke: Spitz Knut, Mix Mia und Chihuahua Kody

Anfangs tat sich Kody etwas schwer. Er hatte nicht nur vor unseren Katzen Angst, sondern vor allem, was größer war als er und er ist nun einmal sehr klein. Kody verbellte sie und zeigte ziemlich deutlich, dass er es gruselig fand. Es stand also erst einmal Management auf dem Tagesplan: Schleppleine dran, denn auch ein sehr kleiner Hund sollte keine fremde Hunde verbellen. Umso öfter er Begegnungen mit größeren Hunden hatte, umso besser wurde es. Wir haben ruhiges Verhalten verstärkt, danach folgte eine gute Belohnung für Kody. Auch Situationen aushalten, die Kody nicht so toll fand, wurde sehr gelobt und bejubelt. So pendelte es sich langsam ein, dass große Hunde für den kleinen Mann kein Neuland mehr waren und Kody step by step mit allen großen Hunden sehr gut klar kam. Sehr große Rassen, wie zum Beispiel Deutsche Doggen, wurden noch verbellt, aber solche Begegnungen gehören jetzt nicht zu unserem Alltag, werden aber trotzdem weiterhin geübt. Die positive Verstärkung und das Training „mit Köpfchen“ macht es möglich.

Kody wurde Schritt für Schritt an Hunde herangeführt – über positive Verstärkung

In der Gruppe machte sich Kody täglich besser und er lernt jeden Tag noch mehr dazu. Anfang hielt er sich noch etwas zurück, lief nur mit und hatte viel Respekt vor den anderen Hunden. Mittlerweile sieht der Kleine das alles etwas anders: Kody ist der kleine Chef in der Gruppe. Er spielt mit den Hunden, er rennt mit seinen Kumpeln um die Wetter, er fängt auch schon mal Streit an (denn so gehört es sich für einen unkastrierten Rüden ;-)), wurde aber nie ernsthaft verletzt, denn deeskalierendes Verhalten haben wir von Anfang an immer gut verstärkt (bei allen unseren (Betreuungs)hunden). Welpen und Junghunde werden gleich von ihm erzogen, wenn sie sich nicht gut benehmen und wenn ihm das Toben der anderen Gruppenhunde zu wild wird, dann springt er schon mal mit rein und unterbricht es. In solchen Situationen rufe ich ihn raus. Man muss ja keine Verletzungen heraufbeschwören, wenn es sich vermeiden lässt. Der doppelte Rückruf hilft mir in diesen Situationen sehr. Auch unkastrierten Rüden muss man gleich imponieren und zeigen, wer die meisten Mädels abbekommt 😉

Ich denke, dass die anderen Hunde wissen, dass er einfach kleiner ist und man nicht so spielen kann, als würden da 25kg vor einem stehen. Kody ist noch ein gestandener kleiner Mann und da kommt es schon mal zu Reibereien mit anderen unkastrierten Rüden, er verhält sich eben wie ein normaler, großer Rüde. Durch das Training mit Markersignalen hat Kody gelernt, dass es sich lohnt deeskalierendes Verhalten zu zeigen.

Da fällt mir folgende Geschichte ein:
Im Gassi Service betreue ich 2 Huskys, eine Hündin und einen unkastrierter Rüden, der sehr viel von sich hält. Kody findet solche Rüden nicht unbedingt sympathisch und knurrt sie schon mal an (er ist doch eigentlich der Hahn im Korb). So auch bei diesem. Kody lief immer wieder an ihm vorbei und pöbelte ihn schräg von der Seite an. Bis der Husky-Rüde irgendwann die „Lefzen“ voll hatte. Er ist zu Kody hingesprungen und hat einfach seine große Pfote auf Kody gelegt, um ihn auf den Rücken zu drehen. Kody hat geschrien als würde man ihn gleich auffressen, ich denke, das kennt ihr. Es hört sich schlimmer an, als es eigentlich ist. Kody blieb auf dem Rücken liegen, war ruhig und der Husky nahm die Pfote wieder weg. Seit diesem Erlebnis scheint es zwischen den beiden Rüden gut zu passen. Ich fand die ganze Situation eigentlich sehr eindrücklich. In Anbetracht dessen, dass der Husky-Rüde, der 25 Kilo wiegt, Kody hätte auffressen können (größentechnisch). Er hat einfach nur seine Pfote auf ihn gelegt und hat die Situation ohne den Einsatz von Zähnen gelöst. Durch meine Dogwalker Ausbildung habe ich mittlerweile gelernt, wie ich diese Auseinandersetzung im Vorfeld durch positive Verstärkung verhindern kann – Kody hat seitdem ganz viel deeskalierendes Verhalten erlernt, denn er möchte noch lange Zeit ein kleiner Macho bleiben.

Kody hat mittlerweile kein Problem mehr mit den zwei Huskys.

Eine andere Geschichte: Einen Dogo Argentino hatten wir auch schon in der Betreuung, auch das hat nach der ersten Kennenlernphase reibungslos funktioniert. Kody möchte am Anfang immer etwas Distanz zu den neuen Hunden haben und das kommuniziert er den anderen Hunden in Form von anknurren, Lefzen hoch ziehen und wegschnappen. Ich habe dieses Verhalten nie gestraft, denn ich finde es gut, dass er seinen Emotionen Luft macht. Das wird aber dann auch vom neuen Hund akzeptiert. Das hat auch der Dogo Argentino, trotz seiner Taubheit, sehr gut verstanden, dass er von Kody Abstand halten soll. Nach dem gemeinsamen Spaziergang lagen sie sogar zusammen auf der Couch.

Und noch eine ganz aktuelle Geschichte: Heute kam Rambo zum Probetag. Rambo wiegt 2 Kilo und ist ein 11 Monate kleiner Chihuahua Rüde (unkastriert). Frauchen hat gleich gesagt, er hat so starke Angst vor großen Hunden, er bellt diese an und beißt sie weg.
Als wir unser Gassigebiet erreicht hatten, habe ich Rambo zuerst aus dem Auto gelassen und mit ihm kurz das Markersignal konditioniert. Kody habe ich anschließend aus dem Auto gelassen. Ich habe den zwei Minis ein paar Minuten alleine Zeit gelassen zum Kennenlernen. Von Anfang an habe ich deeskalierendes Verhalten verstärkt und beide Hunde nebeneinander belohnt. Nachdem ich gesehen habe, dass die zwei Minis gut miteinander können, habe ich nach und nach die anderen Hunde aus dem Auto gelassen: Zwei Labradormischlinge (18 und 30kg) und ein Huskymischling (15kg). Rambo fand die alle ziemlich blöd, hat kräftig die Zähne gezeigt und weggeschnappt. Jede nette Kontaktaufnahme habe ich gemarkert, die anderen Hunde machten einen Satz zurück auf seine Drohgebärden und das musste ich natürlich gut verstärken, denn es ist nicht selbstverständlich. Rambo wurde dann erst einmal von allen Hunden ignoriert. Wir sind los gelaufen und Rambo lief immer hinter mir her.

Gruppenfoto mit den zwei Chihuahuas Kody und Rambo

Im Laufe des Spaziergangs hat sich die Situation entspannt. Rambo hat sich nach und nach von allen Hunden langsam beschnüffeln lassen, ich habe natürlich wieder gemarkert! Und später hat auch er den Kontakt zu den anderen Hunden gesucht. Gegen Ende des Spaziergangs fand er den größten Hund in der heutigen Gruppe gar nicht mehr so beängstigend, er fand ihn eher spannend und hat sich ganz stolz an seine Fersen gehängt und ihn verfolgt (Hormone kann eben auch ein Mini-Hund nicht abschalten).
Auch wenn zwei Hunde zusammen gespielt haben, hat er sich mit erhobenem Kopf, ganz stolz vorne hingestellt und zugeschaut – die anderen Hunde waren für Rambo doch sehr interessant. Das Eis ist gebrochen!

Noch ein Gruppenfoto – alle Hunde gucken in die Kamera 😉

Meine Einschätzung zu kleinen Hunden:

Die Minis werden von den Menschen klar unterschätzt! Wie heißt es so schön: Wie man sie erzieht, so hat man sie. Kleine Hunde können die gleichen Signale erlernen wie große Hunde und sie können genauso mit Markersignal und vielen, verschiedenen Belohnungen erzogen werden.
Kody musste bei uns von Anfang an auf den Spaziergängen mitlaufen. Die einzige Situation, in der er hochgehoben wird, ist Ein- und Aussteigen aus dem Auto. Außerdem hasst Kody es, wenn man ihn hochnimmt! An seinem Gesichtsausdruck sieht man ganz klar, dass er das doof findet. Er ist zwar ein kleiner Hund, aber er ist weder ein Püppchen noch ein Handtaschen-Accessoire.

Kody hat mittlerweile viele Hundefreunde – seine „Kumpel“

Zu den warmen Jahreszeiten unternehmen wir viele Tagesausflüge mit unseren Dreien: Wandern und Bergsteigen durch die Natur.
Auch auf unseren Touren läuft Kody ganz normal mit. Und auch wenn man es kaum glauben mag – folgende Situation gab es auch schon:
Im Sommer 2014 waren wir im Allgäu und haben uns Wasserfälle angesehen. Wir sind 4-5 Stunden Berg auf und Berg ab gelaufen, natürlich hatten wir zwischendurch immer wieder kurze Pausen (für uns Menschen).
Gegen Ende des Ausflugs waren wir Menschen und auch unsere beiden größeren Hunde ziemlich platt und müde. Unser Kody hingegen war top fit. Der kleine Mann hätte nochmal 4-5 Stunden laufen können.
Zu Hause angekommen sind unsere beiden großen Hunde sofort ins Bett und haben nur noch geschlafen. Kody hingegen hat 30 Minuten geschlafen und war anschließend wieder top fit. Er wollte noch ein wenig Tricktraining machen (Ball spielen als Alternative wäre für ihn auch okay gewesen).

Schlussfolgerung: Auch kleine Hunde haben mächtig Power und möchten diese auch loswerden. Ihnen wurden 4 Beinchen gegeben um zu laufen und das tun sie auch, wenn man sie lässt. Sie müssen mit positiver Verstärkung an unbekannte Situationen herangeführt werden. Das Training und die Erziehung unterscheidet sich aber nicht zu dem von großen Hunden.
Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich blöd (aus der Sicht eines Hundes) wenn ich Menschen sehe, die Ihre Hunde auf den Arm nehmen, weil ein größerer Hund kommt. Wie sollen die Kleinen lernen auch mit größer gewachsenen Hunden umzugehen und zu kommunizieren, wenn sie die Chance dazu gar nicht bekommen? Ich würde das nur im Notfall machen, aber nicht in alltäglichen Situationen.

Gemeinsam kuscheln mit Bruder Knut

Auch in der HuTa ist Kody für mich keine Ausnahme, es gibt keine Alltagssituation, in der er gesondert behandelt wird, warum auch?

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag einigen Vorurteilen entgegenwirken konnte. Ich freue mich auf eure Kommentare und eure Alltagsgeschichte von euren Minis!

Liebe Grüße

Eure Silke
Silke´s Dog Service

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