Begegnungen mit Joggern, Radfahrern und Walkern

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Heute zu meiner Morgenrunde hatte ich insgesamt 10 Hunde dabei. 9 Hunde eingespielt, 1 Hund neu dabei. Meine Stammgruppe waren heute Morgen: Labradore Bonanza und Bandit, Golden Retriever Felix, Beagle Mädels Princhi und Emili, Kleinpudel Snoopy und die Mischlinge Meeka, Luna und Pips. Ganz neu heute war das Goldendoodle Mädchen Heidi, gerade mal 5 Monate alt und schon sehr taff. Heidi habe ich heute Morgen erst kennen gelernt, das ging leider nicht anders. Da sie aber sehr aufgeschlossen zu Menschen und Hunden ist, fand sie den Tag mit mir und meiner Hundegruppe ganz toll. Die Integration in alle Gruppen verlief ohne Probleme, unspektakulär würde ich sagen. Das war heute das erste Erlebnis, für die Hunde hätte es gereicht, aber die Umwelt lässt sich nicht kontrollieren.

Leckerlies? Nehmen wir gerne 🙂

Da ich für meine erste Gruppe Luna als letztes abgeholt habe, sie wohnt in der Südstadt, bin ich mit meiner bunten Hundegruppe an den Russenwiesen spazieren gegangen. Dort sind zwei große Wiesen von Wald umgeben. Ich variiere die Wegstrecke immer nach Lust und Laune. Normalerweise haben wir zwischen 3 und 5 Begegnungen mit verschiedenen „Menschentypen“: Radfahrern, Walkern, Joggern und einzelnen Hunden mit ihren Menschen. Heute war es irgendwie anders 😉

Der erste Weg ist meist sehr ruhig, so können die Hunde in aller Ruhe ihren Geschäften nachgehen. Das fand ich gerade heute sehr wichtig, da Heidi ja neu dabei war und somit alle Hunde genügend Zeit haben müssen um sich in Ruhe beschnüffeln können. Das Kennenlernen ist sehr wichtig. Ich habe das Kennenlernen in meinen Hundegruppen sehr stark ritualisiert. Das Prozedere ist immer gleich. Ich versuche bei neuen Hunden immer so zu parken, dass ich die Hunde nicht an der kurzen 2m-Leine führen muss. Das war auch heute der Fall. Zuerst bereite ich mich vor: Leckerlies, Pfeife, Schuhe, Leinen. Dann kommen die Hunde. In diesem Fall hat Pips der süßen Heidi sein Geschirr geliehen, das habe ich ihr angezogen, Schleppleine dran, dann musste Heidi noch kurz warten, es durften die alten Hasen aussteigen und dann war Heidi an der Reihe.

Mein Ritual ist simpel und doch sehr wirkungsvoll. Die alten Hunde dürfen zuerst aussteigen, damit ich meine Aufmerksamkeit nach dem Aussteigen des neuen Hundes nicht noch einmal teilen muss, wenn ein anderer Hund aussteigt (Box aufmachen und wieder schließen). Ich habe meinen Hunden Futter auf den Boden gestreut, etwas vom Auto entfernt, dann durfte die kleine Heidi aussteigen. Ich achte darauf, dass nicht alle Hunde gleichzeitig schnüffeln, das ist oft zu viel für den neuen Hund. Lieber ein Hund nach dem Anderen. Das klappt gut mit Markersignal und Futter wegwerfen. Das habe ich schon sehr oft geübt, denn ich habe ja immer wieder neue Hunde dabei.

Hier seht ihr ein Video kurz nach dem Loslaufen. Ich übe sehr schnell mit Heidi das Reagieren auf ihren Namen und das Konditionieren des Markersignals. Heidi bekommt ein paar mehr Leckerlies als die alten Hasen. Nach dieser kurzen Einarbeitung reagierte Heidi schon sehr schön auf ihren Namen. Das Markersignal verwende ich einfach im Alltag und gebe dem neuen Hund, in diesem Fall Heidi, das Leckerlie bzw. die Belohnung als Erstes.

Nun aber zu den Begegnungen, denn darum geht es ja eigentlich in diesem Blogbeitrag!

Generell verwende ich verschiedene Trainingswerkzeuge, wenn mir Jogger, Radfahrer, Walker, Menschen mit Hunden, … entgegenkommen oder uns überholen.

Zeigen & Benennen ist ein sehr wichtiges Trainingswerkzeug in diesem Zusammenhang. Dabei werden die Hunde markiert (mit dem Markerwort, meines ist „CLICK“), sobald ein Hund den entgegenkommenden Reiz entdeckt hat. Wichtig ist, dass ich nicht warte bis alle 10 Hunde den Reiz wahrgenommen haben, sondern ich markere schon, wenn der erste Hund den Reiz anschaut. Mit der Belohnung schaffe ich mit allen Hunden gemeinsam ein wenig Distanz, in diesem Falle immer zur Seite. Diese Übung hat mehrere Vorteile:

  • die Hunde lernen, dass sich Stehen und Schauen lohnt
  • die Hunde erlernen Impulskontrolle an Auslöserreizen
  • die Hunde bleiben länger stehen, das Durchstarten wird verhindert
  • Der Mensch hat mehr Reaktionszeit
  • Es findet eine Gegenkonditionierung statt
Gemeinsam Stehen & Schauen: Nina (Mischling), Nemo (Mischling) und Princhi (Beagle)

Es finden sich bestimmt noch mehr Vorteile, wenn man (ich) nicht schon 3 Dogwalking Touren à 1,5 Stunden gelaufen wäre 😀 Auf alle Fälle ist das Zeigen & Benennen ganz wichtig. Es funktioniert nur, wenn der Mensch die Körpersprache des Hundes gut lesen kann. Denn an der Körpersprache der Hunde könnt ihr erkennen, ob etwas kommt und wie eure Hunde darauf gestimmt sind. Es ist also gar nicht notwendig, dass ich den Radfahrer, Jogger oder whatever sehe, ich muss nur meine Hunde gut beobachten und die Orientierungsreaktion erkennen. Dann kann ich das Verhalten markieren und mit der Belohnung funktional belohnen. Die Belohnung muss für den Hund eine Funktion erfüllen, dies muss zu der Situation passen.

Beispiel: Ich belohne meine Hunde im Bereich Jagdverhalten (welches sie in Ansätzen zeigen, also wieder stehen, schauen und hier auch wittern) anders als heute Morgen bei den Begegnungen mit den Joggern, Walkern und Radfahrern.

Bei unseren Begegnungen heute Morgen rufe ich meine Hunde nach dem Markersignal ran, dazu lobe ich sie, motiviere sie zu mir zu kommen oder gebe mein Umorientierungssignal gekoppelt mit meinem Ankersignal (Hier + Hopp, Hopp, Hopp). Dann gehe ich mit den Hunden ein Stück rechts oder links des Weges und belohne die Hunde dafür. Das Leckerlie gibt es also nicht sofort nach dem Markersignal an Ort und Stelle, sondern ich begebe mich zuerst an den Wegesrand und dort belohne ich die Hunde dann großzügig. Die Hunde bekommen nach dem Markersignal noch eine Information darüber, wo sie sich hinsetzen bzw. hinstellen sollen, wenn der Jogger, Walker oder Radfahrer kommt. Ich muss gar nicht weit zur Seite gehen. Ich muss zur so weit zur Seite gehen, dass der Mensch uns in Ruhe passieren kann.

Der doppelte Rückruf ist ein sehr wirkungsvolles Werkzeug und sollte häufig geübt werden.

Dieses spezielle Vorgehen wende ich bei jedem Menschen an, der auf uns zukommt. So kann es auch passieren, dass ich auf einem bestimmten Weg nicht mit Walkern rechne, wie heute. Wir waren gerade auf der ersten Wiese, meine Hunde neigen in diesem Moment zum gemeinsamen Rennen und wir genießen gemeinsam die andere Umgebung. Ich habe die zwei Walker nicht erwartet und auch nicht kommen sehen. Auch meine Hunde haben keine eindeutigen, körpersprachlichen Anzeichen gezeigt, dass etwas kommt. In diesen Situationen benutze ich meine gut aufgebauten Signale für Umorientierung und das dazu gehörende Ankersignal. Damit habe ich meine Hunde ein Stück zur Seite genommen und habe sie belohnt für ruhiges Stehen oder Sitzen während die Walker an uns vorbei gelaufen sind. Wir haben diese zwei Walker noch einmal auf unserer heutigen Tour getroffen und ich wurde sehr gelobt, dass ich so gut hörende Hunde habe.

Heidi hatte heute ihren ersten Tag bei uns

Neue Hunde, wie die kleine Heidi, bekommen bei mir erst einmal eine Schleppleine um. So ist Heidi abgesichert und kann in aller Ruhe die Spielregeln bei mir erlernen. Die meisten Hunde finden meine Futterbelohnungen sehr toll und nehmen dieses Training sehr schnell an.

Heute hatten wir sehr viele Begegnungen, das Wetter war besser als angekündet, vielleicht lag es daran?

Ich kann mit meinen Hunden rein theoretisch auch einfach an den Joggern und Co. vorbeilaufen, aber ich möchte Rücksicht auf meine Mitmenschen nehmen, denn meine Hunde laufen nah bei mir, aber nicht so nah. Sie würden den Menschen nichts tun, aber 10 Hunde nehmen mehr als die Hälfte eines Waldweges ein und so nehme ich meine Hunde lieber zur Seite. Egal, wie oft wir das geübt haben, es ist und bleibt anstrengend für die Hunde. Daran denke ich immer und gestalte – wenn möglich – nicht jede Tour so erlebnisreich wie unsere heutige Morgenrunde.

Hunde haben wir übrigens auch getroffen. Mehrere Hunde haben wir gesehen, wir sind ihnen nicht begegnet. Ein Hund haben wir begegnet, denn er kam uns auf dem Weg entgegen. Mit Markersignal und ganz viel verbalem Lob und ein paar Leckerlies, die ich zur Seite geworfen habe. Auch hier achte ich wieder darauf, dass nicht alle Hunde gleichzeitig am fremden Hund schnüffeln. Nach einem kurzen Schwatz von Mensch zu Mensch sind wir weiter gelaufen.

Übrigens: Mit dieser Methode trainiere ich es auch, das Passanten uns ansprechen und die Hunde ruhig bleiben. Von einem kurzen Gruß, über ein Danke und ein kurzes Gespräch ist alles dabei. Ich werde oft angesprochen, auch heute wurde ich oft angesprochen. Für meine Hundegruppe ist dies ganz normal.

2. Übrigens: Ich arbeite sehr selten mit einem „Bleib“, denn dies bringt die Hunde meist unter starker Spannung. Auch lasse ich die Hunde mit dem Rücken zu den Menschen sitzen (generell bei allen Auslösern). Dieses spezielle Sitzen trägt den Namen „Deeskalierendes Sitzen“, denn die Hunde können nicht starren. Es wird jeder Blickkontakt mit dem Markersignal verstärkt.

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